mobile_livestreaming_periscope_meerkat

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema Mobile Livestreaming gehen wir auf die Apps YouNow und Streamago Social ein. Den allgemeinen Einstieg, eine Link-Liste und rechtliche Rahmenbedingungen haben wir im ersten Teil (Übersicht Mobile Livestream) untergebracht.

eil 1a: Einstieg in das Thema Mobile Livestreaming: Anwendungsgebiete etc. (Oberer Teil)
Teil 1b:
 App-Vorstellung der Apps Meerkat und Periscope (Mittlerer Teil)
Teil 1c:
Updates und Link-Listen zum Thema Mobile Livestreaming (Unterer Teil)
Teil 2:
 Vorstellung der Apps YouNow und Streamago Social
Teil 3: Vorstellung der Apps Switcher Studio und Bambuser
Teil 4: Weitergehende Verwertung von Mobile-Livestreams via Video (Folgt)
Special A: Hangout-Interview mit Sascha Pallenberg zu 4.000+ Zuschauer bei Periscope als Facebook-Video (ca. 20 Minuten)
Special B:
 Tipps und Tricks für das Livestreamen (Hangout on Air) bei Google+

YouNow

Diese Livestreaming-Plattform existiert in den USA bereits seit 2011, in Deutschland seit 2014. Die App ist wie die anderen kostenlos, aber für Android verfügbar – auch als Desktopanwendung. Ursprünglich war YouNow dafür gedacht, YouTube-Künstlern (Musikern) die Möglichkeit zu bieten, live Konzerte zu zeigen und mit ihren Fans zu interagieren. Mittlerweile jedoch ist die Plattform fest in den Händen von jugendlichen Nutzern und verändert das Chatten im Netz.

Der Empfängerkreis:

Die Hälfte aller YouNow-Nutzer ist zwischen 13 und 18 Jahren alt, die andere Hälfte ist älter. Diese sehr junge Zielgruppe erklärt sich Medienexperte Mathias Weber von der Uni Mainz über den Findungsprozess, den Jugendliche in der Pubertät durchleben. „Teenager probieren sich aus und finden ihren Stil“, weiß er und betont, dass ein Umdenken stattgefunden hat: „Früher haben sie das in der Schule, unter Freunden und zu Hause gemacht. Jetzt verlagert sich diese Stilfindung ins Netz.“ Das spielt sich zurzeit vorwiegend auf YouNow ab.

Die Art und Weise miteinander zu sprechen, ist weitgehend neu, doch nicht nur für Jugendliche interessant: Die beiden Dienste Periscope und Meerkat beweisen, dass auch die Zielgruppe über 18 gerne Echtzeit-Videos veröffentlicht. „Es ist ganz klar, dass ein Bedürfnis nach einem visuellen Austausch im Netz da ist“, erkennt Weber. Ob von Messen, von Demonstrationen oder anderen Live-Events aus, das Experimentieren mit der Echtzeitübertragung des Lebens hat begonnen.
Warum YouNow für die Jugendlichen? Ja genau weil wir „Erwachsenen“ diese App (noch) nicht für uns entdeckt haben. Noch sind die Teens unter sich.

Geht von den unbedachten Streams der jungen Leute eine Gefahr aus? Kritiker sehen die Privatsphäre und die Sicherheit der jungen Nutzer bedroht, sammeln sich Internettrolle mit bösen Absichten anonym vor den Bildschirmen, um den Streamern auf die Pelle zu rücken. Einschüchtern lassen sich die aber nicht, das beweisen die Zahlen: Die knapp 600.000 Sendestunden im November 2014 stiegen bis März 2015 auf mehr als eine Million. Die deutschen Nutzer dürften dazu ihren Teil beitragen: Immerhin 12 Prozent aller Streams kommen aus deutschsprachigen Ländern, also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. YouNow reagierte Mitte April: YouNow trat jetzt dem Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) bei, der sich um Jugendschutz bei Online-Angeboten kümmert. Der in Deutschland umstrittene Streaming-Dienst YouNow will deutlichere Regeln für jugendliche Nutzer schaffen.

Live-Stream starten:

Einmal auf dem Endgerät installiert, kannst Du mit der Kamera des Smartphones, Laptops oder Tablets, Videos von dir aufnehmen und diese live senden. Du hast die Wahl bei der Anmeldung: diese ist möglich via Facebook, Google+ oder Twitter. Eine Altersprüfung gibt es dadurch nicht.“Offiziell“ darf eine Anmeldung auf diesen Accounts erst ab 13 Jahren erfolgen.
Du steigst sofort in Startoberfläche der App ein und irgendein x-beliebiger Stream läuft. Andrea: „Vor lauter Schreck bin ich erst einmal wieder rausgegangen. Beim zweiten Start habe auch ich dann kapiert, dass ich gerade in irgendeiner deutschen Schule einer Englischstunde beiwohne!“

Die Grundeinstellungen können bei YouNow etwas umfangreicher ausfallen: „Als YouNow-Nutzer kann man ein eigenes Profil erstellen, auf dem man sich – auch wenn man gerade nicht live sendet – den anderen Nutzern präsentieren kann. Dieses Profil ist kein Muss, denn auch ohne dieses lassen sich alle Funktionen der Plattform nutzen. Das Profil beinhaltet die Optionen, ein Profil- und ein Hintergrundbild auszuwählen, persönliche Informationen anzugeben, eine kurze Selbstbeschreibung abzugeben und Aufnahmen der bereits getätigten Live-Streams in chronologischer Reihenfolge zu listen (unter dem Button Broadcasts). An persönlichen Informationen können neben dem Namen (Klar- oder Nutzernamen), Mailadresse, Wohnort (Stadt, Land), T-Shirt-Größe (für mögliche Preise), sowie Geschlecht angegeben werden. Unter dem Button Discussion besteht außerdem die Möglichkeit, dem Streamenden Posts zu hinterlassen – ähnlich der Facebook-Chronik. Zudem werden im Profil diejenigen YouNow-Nutzer gelistet, deren Fan man ist, d. h. denen man Likes gegeben hat“.

Um einen eigenen Stream zu starten, tippst du einfach auf das grüne Kamera-Symbol in der Mitte der unteren Symbolleiste. Anschließend fütterst du den Broadcast mit passenden Hashtags, über die dein Broadcast gefunden werden soll. Und los geht es. Anders als «Meerkat» oder «Periscope» setzt «You Now» auf Live-Videos im Querformat.

Interaktion

Die Interaktion steht hier im Mittelpunkt. Während ein Nutzer live streamt, ist neben dem Video ein Chat-Fenster geöffnet, in dem andere YouNow-Nutzer ihre Meinung zu dem gestreamten Video äußern, dem Streamenden Fragen stellen können und diesem Geschenke in Form von Emojis (= Sticker oder Icons) senden können, um ihre Wertschätzung zu zeigen. Neben dem Chat kann auch über Posts kommuniziert werden, die ähnlich der Facebook-Chronik aufgelistet sind und unter dem Profil eines YouNow-Nutzers zugänglich sind (unter dem Button Discussion). Außerdem ist es auch möglich, einem YouNow-Nutzer eine private Nachricht zu schreiben, die nicht in der „Chronik“ auftaucht. Dazu muss der Nutzernamen angeklickt und dann der Button Message gewählt werden.

Ab dieser Ebene kommt ein neuer Aspekt dazu: App gleicht damit eher einem Spiel: Wer besonders aktiv ist, erreicht höhere Level und schaltet so zahlreiche „Belohnungen“ frei:

Die Geschenke, die sich YouNow-Nutzer gegenseitig machen können, sind nicht alle gleich viel wert. Der Wert eines Geschenks wird in Münzen angegeben: Es gibt Geschenke, die sind 0 Münzen wert, andere hingegen 250 und mehr. Wenn man YouNow als App auf eine Android- oder iOS-Gerät verwendet, besteht zudem die Möglichkeit sog. premium gifts zu kaufen. Diese Premium Geschenke dienen dazu, sich in einem Chat besonders hervorzutun, indem ein Nutzer dem Streamenden z. B. 50 Likes auf einmal gibt, ihm eine Fanmail zukommen lässt etc. Diese Premium-Geschenke können mit sog. bars erworben werden. Bars stellen die virtuelle Währung von YouNow dar, die einen realen Gegenwert hat. In den App-Stores können bars eingekauft werden.

Welche normalen Geschenke, von den Premium Geschenken einmal abgesehen, ein Nutzer einem anderen zukommen lassen kann, ist abhängig von dem jeweiligen Level des Schenkenden. In YouNow wird zwischen 15 verschiedenen Levels unterschieden. YouNow-Nutzer können in den Levels aufsteigen:

  • je mehr Geschenke sie selbst erhalten
  • je mehr Likes sie erhalten
  • je größer ihr Publikum ist
  • je mehr Live-Streams sie tätigen
  • je mehr sie mit anderen Nutzern chatten
  • je mehr Geschenke sie selbst vergeben
  • je mehr Freunde sie zu YouNow einladen etc.

…und, wenn sie ihre Konten aus anderen Sozialen Netzwerken, wie z. B. YouTube, Facebook, Twitter mit ihrem YouNow-Konto verknüpfen. Mit dem Level steigt auch der Wert an Münzen, mit dem wiederum die normalen Geschenke berechnet werden. Da wird aber Ehrgeiz geweckt!!

Die App ist so etwas wie eine Kombination aus Vine, Chat Roulette und Talentshow. Es gibt verschiedene Kanäle, wie “Musiker”, “Tanzen” oder “Mädchen”. Zuschauer können den Leuten, die sich darauf präsentieren, Feedback senden oder Fragen stellen. Wenn sie Dir gefallen, hast Du die Möglichkeit, ihnen Punkte geben. Die musst Du vorher einkaufen, also gegen echtes Geld. Der Künstler bekommt dann hinterher auch echtes Geld ausgezahlt. YouNow selbst verdient, indem es von dem Geld einen Teil abzwackt. Im Grunde läuft das wie bei einer Bühnenshow, in der ein Hut rumgeht: Manche Leute gucken sich die Performance kostenlos an, manche werfen einen Dollar in den Hut und am Ende behält der Veranstalter einen Teil davon für sich“. (Einschätzung von Katie Notopoulos)

Adi Sideman, der Chef und Gründer von YouNow sagt: „Andere Plattformen, die Teen-Stars hervorbringen, wie Vine oder Youtube, machen ihr Geld mit werbefinanzierten Videos.“ Katie Notopoulos fragt weiter: „Warum zahlen junge User für jemanden zahlen, der Ed Sheeran covert, wenn sie sich auch kostenlos den echten Ed Sheeran ansehen können?“Die Antwort: „Die meisten Fans mögen es, währenddessen zu chatten. Manche Fans möchten sich auch vom Rest abheben und an der Performance mitarbeiten. Das Publikum spielt eine ebenso große Rolle wie die eigentliche Sendung. Und darum geht es uns. Jeder soll mitmachen und so wird dann gemeinsam etwas kreiert. Wenn ich Punkte verteile oder Nachrichten sende und derjenige das in seine Performance aufnimmt, werde ich ein Teil davon.” Auch das Teilen in anderen sozialen Medien geht einfach: Snapshot machen, Nachricht einfügen und teilen mit den Freunden in Sozialen Medien.

Nach dem Broadcast?

Was Wichtiges verpasst? Einfach den Nutzer suchen, der letzte Stream bleibt online, bis ein neuer Broadcast vom Nutzer gestartet wird.

Bei der Desktop-Anwendung ist das „Archiv“ umfangreicher, denn die Broadcasts werden auf dem jeweiligen Nutzerprofil gespeichert. Hierfür klickst du einfach das entsprechende Profil an und klickst auf den Button „Broadcasts“.

Du willst einem Stream folgen?

Nächster Aha-Effekt: auch nicht angemeldete YouNow-Nutzer können die Live-Videos sehen, nur dadurch dass die Seite der Plattform aufgerufen wird. Allerdings kann dann kein eigenes Video eingestellt werden und ein Chat mit anderen Usern ist nicht möglich.

Um einen neuen Stream zu finden kannst du nach bestimmten Namen suchen oder bestimmte Kanäle favorisieren, um diese so jederzeit wieder aufrufen zu können. Einfach ist auch das Durchsuchen der angesagten Hashtags durchgehen: #sleepingsquad ist ein Beispiel. Adi Sideman verriet Katie Notopoulos seine Theorie über #sleepingsquad: “Es ist die Sucht nach dem Internet, es ist die Sucht nach Social Media. Es geht ihnen darum, nicht zu verschwinden, auch wenn sie gerade schlafen.”

Andy Weissman von Union Square Ventures, der in YouNow investiert hat, beschreibt den Kanal in einer E-Mail an BuzzFeed News als “eine Online-Pyjamaparty”. Und fügt hinzu: “Ich glaube, es ist ein menschliches Bedürfnis, mit anderen in Kontakt zu treten. Und das gilt wahrscheinlich noch stärker für junge Menschen.”

Streamago Social

Klar, dass der italienische Telcoprovider Tiscali auch mitmischt! Du erlaubst mit dem Log-In den Zugriff auf deinen Facebook-Account, es ist möglich für private Profile und sowie für Firmenprofile. Im „Setting“ wird die Stream Qualität festgelegt.Als Grundeinstellung ist „mittel (medium)“ hinterlegt, es geht auch „besser (high)“ oder „schlechter (low)“. Veröffentlichen kannst Du auf deiner persönlichen Seite aber auch auf allen von Dir verwalteten Seiten (dies musst Du erlauben). Bevor du loslegen kannst, musst du auch hier den Zugriff auf Kamera und Mikro erlauben. Die weiteren Funktionen sind schnell erklärt:

Live-Stream starten:

Achtung mehr Auswahl: Du hast die Wahl zwischen einem „Video“- oder „Audio-Stream“. Wenn Du magst, kannst Du Freunde und Orte (dies musst du dann erlauben) „taggen“, Deinen Stream kannst Du posten und somit theoretisch planen, indem Du mitteilst, dass Du in ein paar Minuten online per Video bist. Aber nicht vergleichbar mit der Schedule-Funktion bei Meerkat. Oder Du gehst ohne weitere Posts online. Und auch hier: ich kann auch im Querformat senden!!! Bereits bekannte Funktionen wie „Circle Icon“, Mikro on/off-Icon und der nicht zu übersehende „Stop-Button“ sind selbsterklärend. Beendest Du die Übertragung, lädt diese sich automatisch in deine Timeline hoch.

Empfängerkreises und Interaktion:

Zuvor getaggte Personen sind quasi mit dabei; sonst ist aber keine Interaktion möglich.

Nach dem Broadcast?

Der Stream wird automatisch nach dem Live-Report in Deine Timeline hochgeladen. Hier kann wie in jedem Post geliked, geteilt und kommentiert werden. Das Video kann von Deinen Freunden also auch später immer wieder abgespielt werden, es steht unbegrenzt zur Verfügung. Ist dir dies zu „öffentlich“, kannst Du das Video in Deiner Chronik verbergen oder löschen. Aber Achtung: Löschen heißt hier, der Live Stream wird unter dem Register „gespeichert (Fähnchen)“ und dann unter Videos abgelegt. Du musst dann also auch in deinen Einstellungen die Rubrik „Videos“ deaktivieren, wenn es nicht sichtbar sein soll.