Nein, wir sind nicht maßlos! Aber die Agentur Kreative KommunikationsKonzepte hat in der Tat drei Geburtstage. Ehrlich gesagt, einer hätte mir auch gereicht. Aber die Wege in die Selbständigkeit sind selten schnörkellos und geradlinig.

27.01.2010 – dem Gefühl nachgegeben

Es war auf einer der jährlichen verlagsinternen Vertriebstagungen. Dort ging mir ein Licht auf. Die sogenannten schweren Zeiten für Verlage waren bereits angebrochen. Auflagen gingen zurück und für Teile der Branche war das Internet immer noch nur ein Hype. Nach außen hieß es: Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und bekennen uns klar zur digitalen Zukunft. Nach innen lautete das Credo: Restrukturierung, dann noch eine Restrukturierung und im Anschluss daran eine erneute Restrukturierung. Zusammengefasst: verkleinern, sparen, feuern. Und ich stand da und präsentierte den Entscheidungsträgern die neuesten bunten Banner-Produkte für Kundenportale. Kleine, blinkende Lichter waren die Zukunft.

Kurz zuvor, am 27.01.2010 und gerade einmal drei Jahre nach Erfindung des Smartphones, präsentierte in den USA ein Unternehmer mittleren Alters eine völlig neue Produktkategorie, das Tablet. Er nennt es iPad. Und mir wurde klar: Das funktioniert für mich so nicht mehr.

28.06.2010 – drei… zwei… eins… raus!

Wenn ich mich für einen Geburtstag entscheiden müsste, dann wäre es dieser Tag. Denn er ist tatsächlich auch mein Geburtstag. An diesem Tag im Jahr 2010 kam außerdem die Kündigungsbestätigung meines letzten Arbeitgebers. Der Schritt raus war vollzogen. Alles Gute zum Geburtstag!

Was schwebte mir im Kopf rum? Was wollte ich denn eigentlich machen? In Kürze:

  • Idee: Neue Software für den Verlagsbereich entwickeln. Interaktive Magazine und Bücher, die mehr Spaß machen. Vielseitig nutzbare Alternativen zu einfach nur bunt blinkenden Bannern. Das Internet der Dinge als Influencer bis in die Tiefen des B2B. Datenvisualisierung war zu der Zeit tatsächlich ein Innovationsthema. Aber musste doch mehr dabei herauskommen als Web-Banner?
  • Strategie: in Vertriebsdimensionen denken
  • Zielgruppe: Verlage

Zu meinem Kompagnon, der in die gleiche Richtung dachte, sagte ich: „Du codest. Ich verkaufe.“ Es war ja nicht das Verkaufen an sich, das mir keine Freude mehr machte. Es war das Verkaufen von Dingen und Leistungen, hinter denen ich nicht mehr stand, nicht mehr stehen konnte.

11.10.2010 – alles hinfällig, also los!

Alles kam anders. Mein Kompagnon erkrankte schwer und schied aus, noch bevor wir überhaupt angefangen hatten. Was macht man in so einem Moment?

Am 11.10.2010 meldete ich mein Gewerbe an: als Solo-Berater.

Programmieren war nicht das Meine und als Verkäufer empfand ich mich bis dato eher so mittelgut. Aber die Vertriebs-DNA war fest in mir verankert und über meine bisherigen Arbeitsstellen hatte ich ein potentes Kontaktnetzwerk aufgebaut. Mein erstes Projekt verkaufte ich mit einer Art 90-sekündigem Pitch-Video. In eineinhalb Minuten präsentierte ich eine Projektidee, von der ich felsenfest überzeugt war.

Ist übrigens eine gute Übung, die man immer mal wieder anwenden sollte. Fasse Dein Projekt, Deine Unternehmung, Deine Geschäftsidee in 90 Sekunden nicht nur vollständig und anregend zusammen, sondern teile damit auch mit, was Du vom Adressaten willst! Damit konzentriert man sich selbst immer wieder auf das Wesentliche, den Kern.

Allerdings nahm ich an keinem Pitch teil. Ich habe eine Liste mit meinen zehn „wärmsten“ Kontakten aufgesetzt und angerufen – klassische Vertriebsdenke: „Du bekommst gleich eine Mail mit nur zwei Dingen: ein 90-sekündiges Video mit meiner Idee und meine Telefonnummer, falls Du sie vergessen haben solltest.“ Bis zum ersten Rückruf mit der Antwort „Will ich haben!“ vergingen gerade einmal 100 Sekunden. Daraus wurde am Ende das PHD Germany unterstützte Siemens-Projekt Talking Tree.

Talking Tree – Der Film

Das Tagesgeschäft abseits solch spektakulärer Projekte bestand überwiegend aus dem Tuning von Geschäftspräsentationen. Später kamen dazu Aufträge, die mit Verlagsprodukten für Konsumenten zu tun hatten. Darunter etwa fünf digitalisierte, interaktive Bücher zum ersten verfilmten Teil von „Der Hobbit“ (J.R.R. Tolkien). Das war nicht einfach nur ein gut dotierter Job – ich bin ein echter Fan!

iBooks zum Film „Der Hobbit“

Der Weg zum Videomarketing

Von da an war der Schritt zu Aufträgen für Videos, entweder als Einzelprodukt oder Teil eines Kommunikationskonzeptes oder einer Kampagne folgerichtig. Sie sind alternativlose Zutaten für multichannel- und multimediales Marketing plus Vertrieb. Es gibt (fast) kein Format, das Emotionen und Informationen so intensiv miteinander verbinden kann.

In die künstlerischen Bereiche des Formats Video musste ich mich auch erst einarbeiten. Aufnahmetechnik, Dramaturgie und Inszenierung. Tagsüber der Beraterjob und abends Online-Videos schauen. Schauen, lernen, schauen, lernen, schauen usw. Mein erster festangestellter Mitarbeiter wurde übrigens kein Programmierer, sondern Designer und Fotograf. Jemand mit einem visuellen künstlerischem Background, der auch neueste Kameratechniken beherrschte und sich ebenso wie ich von technischen Möglichkeiten wie 360-Grad-Videos, 3D, Augmented Reality, Virtual Reality begeistern ließ. Natürlich können wir auch nur Videos produzieren. Haben wir auch schon getan, etwa klassische Werbeclips für das seit Jahren totgesagte TV oder YouTube. Aber wir können und wollen weitaus mehr anbieten – in Vertriebsdimensionen denken. So schloss sich Jahren der Kreis zu den ersten Ideen aus der Zeit von nunmehr elf Jahren.

Learnings als Gründer

Ganz besonders an einem Tag wie heute, meinem doppelten Geburtstag, denke ich darüber nach, was mich hierhin gebracht hat – in die Selbständigkeit. Denn sie fühlt sich gut und richtig an. Deswegen möchte ich damit auch abschließen. Keine Gesetze, keine Garantien, nur ein paar Gedanken, die ich gerne an künftige Gründer weitergeben möchte.

Selbständigkeit, Unternehmertum ist eine Berufung. Und eine Berufung ist Instinkt, Gefühl. Ihr zu folgen, auf Dauer oder auf Zeit, kann eine unglaubliche Erfüllung sein.

Erfolg steht und fällt nicht zwingend gleich mit der ersten Idee. Wenn die Erste nicht klappt, sagt das nicht automatisch etwas über die Qualität der Zweiten oder Dritten aus. Mit 16 gründete ich eine Softwarefirma, mit 25 war ich selbständiger Tanzlehrer – beides mit Leidenschaft. Danach musste ich erst Angestellter und 40 Jahre alt werden, bevor mir klar wurde, wohin die Reise gehen muss.

Wer sehr genau weiß, was er kann, was er nicht kann und wo seine Neigungen liegen, hat ein Gründungskapital, das auch über plötzliche Veränderungen oder einen ersten Misserfolg hinaus beständig wächst.

Neigung und Eignung sind zwei verschiedene Dinge. Beide brauchen mitunter viele Jahre, um sich zu zeigen. Aber man sollte ihnen zuarbeiten, es versuchen. Nur dann wird man sie für sich entdecken können.

Deswegen: bleibt neugierig, bleibt risikofreudig, bleibt offen für Inspirationen!

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