In der Folge 37 „Aus der Genesis“ des Podcasts KopfKino.ruhr geht es hoch hinaus: Gemeinsam mit Kai Heddergott von Heddergott Kommunikation werfe ich einen Blick ins Weltall – und spreche mit ihm darüber, wie die geschickte Unternehmenskommunikation Geschichte geschrieben hat.

Wenn sich zwei Raumfahrt-Fans zusammentun, verfliegen 67 Minuten quasi in Lichtgeschwindigkeit. So ging es zumindest mir bei meinem Gespräch mit Kai. Er ist nicht nur Kommunikationsberater, sondern auch noch Lehrbeauftragter der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft in Salzgitter. Also der richtige Mann, um die Korrelation von Unternehmenskommunikation und Raumfahrt intensiv zu beleuchten. Beginnen wir bei den ersten Berührungen von Luftfahrt und Medien: 

Luftfahrt und Medien – Beweise neuer Bestleistungen 

„Hast du kein Bild davon, ist es nicht passiert.“ Was heute als kanalübergreifender Grundsatz der modernen Kommunikation gilt, ist in Wirklichkeit ein uraltes Konzept. So war Charles Lindbergh zwar unbestritten ein mutiger Luftfahrt-Piononiere, aber bei Weitem nicht die ersten, dem die Überquerung des Atlantiks gelang. Erst die mediale Aufmerksamkeit durch (Video-)Journalisten machte aus seinem Flug ein unvergessliches Ereignis, über das wir heute noch sprechen. Also werden Dinge aus der Vergangenheit „wahrer“, nur weil sie auf Bildern oder Film festgehalten wurden? Ganz offensichtlich! 

NASA und ESA zeigen, wie Kommunikation geht 

Meister in den Bereichen Kommunikation und Storytelling sind auch die Experten der National Aeronautic and Space Administration – der NASA. 50 Jahre ist es nun her, dass die Teilnehmer der Apollo 11 Mission auf dem Mond landeten und dabei zwischen 500 und 600 Millionen Menschen vor den TV-Geräten und Radios fesselten. In Deutschland berichteten ARD und ZDF live und jeder, der damals dabei war, kann sich heute noch daran erinnern. Und auch 5 Jahrzehnte später haben Neil Armstrongs Worte „That’s one small step for man, one giant leap for mankind!” nichts von ihrer Faszination verloren – eben auch, weil sie mitgeschnitten und so geschickt medial verbreitet wurden. 

Aber was folgt so einem Ereignis? Lässt sich die Mondlandung toppen? Nach der Apollo 11 Mission flachte das öffentliche Interesse an der Raumfahrt merklich ab. Obwohl die NASA bei der nächsten Apollo Mission – Apollo 12 – wieder alles für eine Live-Übertragung vorbereitet hatte, war kein Sender bereit, diese auch zu zeigen. Warum? Ganz einfach: die Geschichte war nicht mehr neu genug. Das sollte sich erst – unfreiwillig – mit der Apollo 13 Mission im Jahr 1970 ändern. Jene Mission, bei der es die 3-köpfige Crew nach einer Explosion eines Sauerstofftanks nur knapp wieder zurück auf die Erde geschafft hat. Eine Sensation, die wieder viele Menschen gefesselt und sogar zu einem Oscarprämierten Kinofilm geführt hat. 

Livestream von Apollo 8

Livestreams sind das neue Fernsehen

Heute sind die Inszenierungen der Raumfahrenden Unternehmen spannend wie nie zuvor: Erst im vergangenen Jahr schickte Elon Musks Firma Space X mit der zu dieser Zeit stärksten Rakete der Welt, der Falcon Heavy, einen roten Tesla Roadster ins All. Dieses Spektakel sahen sich über 2 Millionen Zuschauer live auf Youtube an – und machten es damit zum zweiterfolgreichsten Livestream, den es auf der Plattform je gab. 

Ähnlich verhält es sich mit Extremsportler Felix Baumgartner, der aus der Stratosphäre etwa 39 km in die Tiefe sprang und als erster Fallschirmspringer die Schallmauer durchbrach. Durch das Sponsoring eines großen Energy-Drink-Herstellers, wurde sein Sprung zu einem medialen Großevent. Dass der Rekord kurze Zeit später bereits wieder eingestellt wurde, bekam hingegen kaum jemand mit – denn hier fehlte das entsprechende Budget zur Bewerbung und somit auch die extreme Vermarktung und dadurch geschaffene Aufmerksamkeit, die Baumgartners Sprung erfuhr. 

Schnelle Datenübertragung für Raumfahrt in Echtzeit

Ein entscheidender Faktor bei der Kommunikation aus dem All ist heute vor allem die Geschwindigkeit der Datenübertragung. Hat es früher noch Wochen oder Monate gedauert, Bilddaten von verschiedenen Weltraummissionen zu übertragen und auszuwerten, „passieren“ solche Dinge heute in Echtzeit. Informationen und Bilder stehen heute nicht nur den Wissenschaftlern, sondern eben auch interessierten Nutzern, Laien und Journalisten zur Verfügung, die diese dann sofort analysieren und bearbeiten können. 

Daraus hat sich eine neue Erwartungshaltung der User entwickelt. Das „ewige“ Warten auf Informationen ist nicht länger akzeptabel, alles muss sofort zugänglich sein – am besten per Livestream. Klar, dass die Bereitstellung für die breite Masse erst mit der Erfindung des Internets und der entsprechenden Plattformen wie Youtube, Facebook und Konsorten möglich geworden ist. Immer leistungsstärkere Mobilgeräte tun ihr Übriges – und plötzlich ist der Blick in die unendlichen Weiten etwas Normales. 

Im Podcast erklärt Kai, warum die 1979 gestartete Voyager-Mission ein hervorragendes Beispiel für diese Entwicklung ist und wie es der ESA mit richtig gutem Storytelling und der Emotionalisierung von Wissenschaftskommunikation gelang, den Sonden Rosetta und Philea ein bisschen „Menschlichkeit“ bei der Erforschung eines Kometen mit auf den Weg zu geben. Eine hörenswerte Geschichte. 

@Astro_Alex macht es vor 

Ein hervorragendes Beispiel, wie man es richtig macht, ist auch „unser Mann im All“, Alexander Gerst. Er sorgt unter seinem Social Media Handle @Astro_Alex vor allem auf Twitter für immer neues Interesse an allem, was im Weltraum passiert. Mit seinem sympathischen Wesen, diversen Liveübertragungen von der ISS und einer Sondersendung mit der Maus ist er auf sämtlichen Kanälen präsent. 

Der „Archetyp“ eines medial geschulten Astronauten war hier sicher Chris Hadfield von der Kanadischen Weltraumagentur, der 2014 ein grandioses Video schickte, in dem er mit seiner Gitarre eine abgewandelte Version von David Bowies „Space Oddity“ zum Besten gab.  Sehr sehenswert und mit mehr als 43 Millionen Klicks auch ein echter Hit auf Youtube. 

Diese Aktion hat sich nicht nur für Hadfield und die Mission langfristig ausgezahlt, sondern auch damals auch für David Bowie. Deshalb erklären wir euch in dieser Episode auch direkt, warum es selbst für den sauerländischen Maschinenbauer noch sinnvoll ist, jede Beteiligung – und sei sie noch so klein – an solchen Projekten für die Eigenwerbung zu nutzen.  

Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass man die Regeln der Unternehmenskommunikation perfekt beherrscht und manchmal auch ungewöhnliche Fallstricke kommen sieht. Davon kann NASA-Techniker Matt Taylor ein Lied singen. Sein Auftritt im Rahmen der Rosetta-Mission löste statt Begeisterung einen Shitstorm aus, da er ein Hemd mit unbekleideten Frauen trug. Schon vor #metoo ein echter Aufreger, der aus einer harmlosen Pressekonferenz ein #shirtgate machte. 

Reinhören! 

Die Kommunikation ist im ständigen Wandel, auch bei großen und internationalen Vereinigungen wie zum Beispiel der NASA oder ESA. Dafür sind die hier aufgeführten Themen nur Beispiele. Hört auf jeden Fall in die Episode 37 rein, denn dort geben euch Kai und ich noch viele weitere Einblicke, wie Unternehmen, Raumsonden und Bordpersonal zu Marketingzwecken erfolgreich „nach Hause telefonieren.“ Und ganz nebenbei decken wir noch die große VZ-Verschwörung für euch auf. Dagegen ist die gefakte Mondlandung Kindergarten … 😉

Also Ohren auf bei „Aus der Genesis“ (iTunes)

ShowNotes zur Podcast-Folge

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