Als die liebe Steffi den Beitrag  „Vorstellung zu ihren Make-Up-Arbeiten“ ‚rüber mailte, fühlten wir uns sofort an unseren eigenen Alltag erinnert. Denn „Kannst du mal eben kurz…?“ hören auch wir allzu oft, allerdings jedes mal (eben wie Steffi) in dem Wissen, dass „kurz“ in den meisten Fällen eben kurz mal länger und aufwändiger werden kann, als das Gegenüber vermutet.

Aber genau aus diesem Grund gibt es ja Experten auf jedem Gebiet und wir sind froh, eine Expertin wie Steffi in unserem Team zu haben. Und wir versprechen dir, Steffi, hiermit feierlich: In Zukunft werden wir etwas länger darüber nachdenken, ob „mal eben kurz“ wirklich die richtige Zeitangabe ist und wir werden versuchen „kurz“ langfristig aus unserem Wortschatz zu streichen!

„Kannst Du mal eben kurz…“

Jeder hat diesen Satz bestimmt schon einmal gehört – und fast jeder weiß: Heißt es: „…mal eben kurz…“, dann lautet die Übersetzung hierfür alles Mögliche – aber garantiert niemals „Das geht ganz schnell und kann mal eben erledigt werden.“ So etwas in der Art schoss mir kurz durch den Kopf, als mich Gerhard Schröder damals das erste Mal fragte, ob ich nicht für einen Kunden bei einem Drehtermin vor Ort dabei sein könne, um die Akteure vor der Kamera ein wenig mit Make-Up herzurichten. Ich könne doch schminken, hätte das doch mal professionell gelernt und Material sei auch bereits vorhanden…also keine große Sache. Na klar! Bin dabei! Warum zum Teufel habe ich in diesem Moment den kleinen Engel auf meiner Schulter ignoriert, der mit einer roten, blinkenden Lampe „Alarm-Alarm“ gebrüllt hat? Ich weiss es doch auch nicht.

Nein, im Ernst: Man ignoriert solche Alarmglocken, weil Make-Up Artist zu einem der tollsten Berufe gehört, die ich mir vorstellen kann. Natürlich kommt es immer ganz anders als gedacht, aber auch das macht den Reiz ja aus. Langweilig kann jeder. Als ich aber den Auftrag bekam, einen Blogtext über Backstage-Erlebnisse in Sachen Make-Up zu schreiben, kam mein persönliches Brainstorming immer wieder auf dieses „Mal eben kurz“ – Thema zurück. Darum kommen hier einfach ein paar Anekdoten, die meinen kleinen Schutzengel auf meiner Schulter des Öfteren leise haben flüstern lassen: „Hab ich’s nicht gesagt? Ich HAB’S gesagt! Aber auf mich hört ja keiner!“

#makeup Besprechung mit Jenny und Steffi #bts #leatherman #video #videoproduction #beauty

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Wie alles begann

Kommen wir zurück zum ersten Auftrag. „Keine große Sache“, wir erinnern uns. An sich stimmte das auch. Reine Interviews. Zwar Nahaufnahmen, sogenannte Close-Ups, aber „nur“ Männer, die einfach ein wenig abgepudert werden sollen, damit sie nicht so glänzen. Natürlich macht ein Visagist auch hier ein wenig mehr: Haut vorbereiten, damit alles auch einen langen Tag vor der Kamera hält, Rötungen abdecken, ggf. den ein oder anderen müden Augenring durch ein wenig Frische ersetzen. Aber wirklich nichts Wildes und Material sollte ja bereits vorhanden sein. Kurze Sichtung: Wir müssen dringend shoppen gehen! Nein, ein Kompaktpuder aus der Drogerie und ein Puderschwamm reichen nicht so ganz aus…

Wer Gerhard Schröder in seinem Job erlebt hat, weiß, dass er nie zögert oder geizt, seine Truppe mit allem Nötigen auszustatten, was die Arbeit erforderlich macht. Also auf zur Shoppingtour ins Münsterland, denn dort befindet sich der nächste Standort für Profi Make-Up. Da die Kundenaufträge einen Visagisten sowieso zur Dauereinrichtung machen, lohnt die Anschaffung einer Grundausstattung. Den Rest steuere ich aus eigenem Bestand bei.

SO kann man arbeiten.

Das staunende Gesicht von Gerhard im Make-Up-Laden war mehr als sehenswert und hat den Engel auf meiner Schulter absolut besänftigt – fürs Erste. Als kleiner Sparfuchs frage ich nämlich grundsätzlich genau nach, was denn alles an Jobs ansteht, damit man wahlweise nichts zu kaufen vergisst, oder nicht zu viel Geld für unnötigen Schnickschnack ausgibt. Obwohl: Gibt es im Koffer eines Make-Up Artists überhaupt unnötigen Schnickschnack? Niemals! Das, was man dann in genau diesem einen konkreten Fall braucht, fehlt. Immer. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Gut aber, dass ich gefragt habe. Denn es kam die Antwort: „Ach ja, hatte ich vergessen zu erwähnen: Einer der zu schminkenden Männer ist der Chef und der hatte wohl einen schlimmeren Fahrradunfall und da müsstest Du einige blaue Flecken und eine offene Wunde auf der Nase abdecken… Das ist doch kein Problem, oder?“ Nein, ist kein Problem. Ist aber weit weg von einfachem Abpudern und braucht anderes Make-Up. „Mal eben kurz“, die Erste…

Augen zu und DURCH Wochenende. Rückblick auf den Dreh am Montag bei FAAC Tubular Motors #latergram

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Passend eingekauft, Engel auf der Schulter geknebelt und ab zum Drehtermin. Ergebnis: Zwei glückliche Chefs. Einer vor der Kamera und einer dahinter. Na also. Auch nach vielen Jahren ist es immer wieder schön, wenn sich das Ergebnis sehen lassen kann und in diesem Fall die Mitarbeiter des verunfallten Pechvogels immer wieder ihren Chef von ganz nah begutachtet haben und feststellten: „Wo ist denn deine Wunde und die Beule? Man sieht ja gar nix mehr!“

Zeitreise mit der K3: Caligari-Style

Die Vielfältigkeit, die man erlebt, wenn man mit Make-Up zu tun hat, ist immer wieder toll. Darum darf hier unsere Reise in die frühen 20er Jahre nicht fehlen. Für einen Kunden ging’s thematisch und szenisch zurück in die Stummfilmzeit und in die alten Caligari-Filme. Solche Dinge sind nicht unbedingt alltäglich und machen einem Make-Up Artist einfach Spaß.

Da es um eine größere Gruppe an Darstellern ging, war mein Engel auf der Schulter allerdings kurz vorm Kollaps, als es hieß: „Ach, das wird doch schnell gehen..ist doch keine große Sache, die Akteure mal eben fix zu schminken.“ Meine Einwände, dass ich KEINE gelernte Friseurin bin und daher keine aufwendigen Wasserwellenfrisuren beherrsche, wurde mit „Bei deinen Tanzturnieren hast du doch auch immer so tolle Frisuren!“ quittiert… *ALARMGLOCKE AN!*

So wurden aus einer geplanten weiblichen Darstellerin mit vollem Make-Up und drei bis fünf Männern, die man nur als Schurken ein wenig mit Puder und Bartstoppeln versehen müsste, dann letzen Endes aufgrund einiger Besetzungsänderungen zwei Mädels mit vollem Programm (Haare natürlich inklusive – meiner Erfahrung vom Bühnenbetrieb und dem Turniertanz sei Dank!!), die o.g. Schurken plus zwei Damen, die zum Mann umgeschminkt wurden. Eine zum verwegenen Jüngling, die andere zum bösen Gangster. Ich erinnere: „Mach mal eben kurz..“

Mal abgesehen von dem Engel mit Nervenkoller war es jedoch ein toller Dreh, der allen Beteiligten einen Riesenspaß gemacht hat und der nach Fortsetzung ruft! Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wenn ein Team Hand in Hand funktioniert:

Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln

Das könnte das Motto des letzten Beispiels sein. Kaum werden vorher noch Unfallwunden mit Beauty-Make-Up verdeckt, so naht Halloween und es heißt: „Mach mal eben schnell Horrorkram für unser Hallo-Vine Event.“ Narben, Blut, Zombies, Untote. Also nicht mehr „Narbe weg“, sondern „Narbe her“. Und wie immer soll es „nichts Aufwendiges“ sein, nur eine unbestimmte Anzahl von Menschen bitte „ganz schnell“ in Horrorgestalten verwandeln.. Wie sagt man hier im Ruhrpott: „Äh, ja nee, iss klar!“ Zumindest hat mich diesmal meine Dramaqueen von Engel auf der Schulter nicht genervt – soll sie doch in Ohnmacht fallen – passt mit etwas Blässe genau ins Konzept. Ätsch.

Also schnell Zeugs geshoppt, Gerhards staunendes Gesicht die Zweite genossen und den Tower of Power „nebenbei“ umdekoriert. Es waren drei lange Tage..mit unendlich viel Spass an der morbiden Sauerei!! Yeah! Was will man mehr? Beauty kann ja jeder!

Fazit: Make-Up bei der K3 kann zwar auch einmal ganz alltäglich sein, ist es aber oft nicht. Man braucht einen robusten „Schulterengel“ und jede Menge Bock auf Verrücktes. Zum Glück! Ich freue mich auf die kommenden Projekte im Team der K3!

Wird nichts Großes.
Geht schnell.
Mal eben kurz.
Ganz bestimmt! 😉