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Was ein BEAT mit Bewegtbildkommunikation zu tun hat? Geht es hier nun plötzlich um Musik? Nein! Gemeint ist der Beat als kleinste Einheit einer dramatischen Handlung. Dieser atomare Baustein ist in jeder szenischen Erzählung vorhanden, sowohl im Kino als auch auf der Bühne – oder eben im Web-Video! Damit befasst sich diese Blog-Episode der #OfficeWars:

Unserer Blog-Serie zu #OFFICEwars: 1. OFFICEwars (Teil 1) Worum gehts? (Warum wir diese Aktion gestartet haben) 2. OFFICEwars (Teil 2) Die Macht des Genres 3. OFFICEwars (Teil 3) Die Sprache der Bilder 4. OFFICEwars (Teil 4) Die Macht des Beats

Er gehört zu den obskureren Aspekten der Videoproduktion: Die meisten Laien können sich unter diesem Begriff nicht viel mehr vorstellen, als einen hämmernden Bass in der Disko. Dabei ist der Beat aber das Atom einer Geschichte, die Bewegung in einer Story, das, was eine Geschichte erst zu einer Geschichte macht. Und deshalb wollen wir hier ein wenig Licht auf diesen wenig gängigen Begriff werfen, der für ein fundamental wichtiges Konzept im visuellen Storytelling steht: Der Beat [biːt]

Die Handlung

Um zu verstehen, was der Beat in einer Geschichte ist, brauchen wir zunächst den Kontext: Die Handlung. Erzählen wir eine Geschichte, dann bedeutet das automatisch, dass wir es zunächst mit einer Situation zu tun haben, die sich durch bedeutsame Wendungen verändert. Machen wir ein kleines Beispiel:

Ein Mann geht einkaufen.
Zuerst geht er zum Bäcker und kauft Brötchen.
Daraufhin geht er in den Supermarkt und holt Milch.
Danach geht er nach Hause und bereitet das Abendessen.

In diesem Beispiel reihen sich verschiedene Handlungen aneinander, sie ergeben deshalb aber bei weitem noch keine Geschichte! Das Schema dieser Erzählung lautet: Erst ist dies passiert, danach ist jenes passiert, dann ist das passiert… .

Versuchen wir doch, das Beispiel etwas spannender zu machen:

Ein Mann geht einkaufen, weil er am Abend für sich und seine Angebetete das Abendbrot zubereiten möchte. Also geht er zum Bäcker, um Brötchen zu kaufen. Danach geht er in den Supermarkt, wo er bemerkt, dass er seinen Geldbeutel beim Bäcker vergessen hat. Das gemeinsame Abendbrot droht daran zu scheitern! Der Mann geht also zurück zum Bäcker, um seinen Geldbeutel dort zu holen. Jedoch muss er feststellen, dass der Bäcker bereits geschlossen ist. Zum Glück steht an der Eingangstüre eine Telefonnummer, die er anruft und auch prompt eine Übergabe seines Geldbeutels ausmacht. Als er den Geldbeutel endlich wieder in Händen hält und der Abend gerettet scheint, ruft jedoch seine Angebetete an, und sagt das Treffen am Abend ab. Entnervt nimmt er sein Abendmahl alleine zu sich.

Szenario und Story – Wo steckt der Beat?

Das ist sicherlich keine weltbewegende Handlung, aber im Gegensatz zum ersten Beispiel passiert hier etwas. Vergleichen wir das Schema des zweiten Beispiels mit dem Schema aus dem ersten Beispiel, wird der unterschied schnell klar:

  1. Beispiel: ERST ist dieses passiert, DANACH ist jenes passiert, DANN ist das passiert.
  2. Beispiel: ERST ist dieses passiert, DESHALB ist jenes passiert, ABER dann ist das passiert, DESHALB ist es dann so ausgegangen.

Der Unterschied ist eindeutig: Die einzelnen Abschnitte stehen nun in einer Beziehung zueinander. Es ist keine Aneinanderreihung von Einzelhandlungen, kein reines Szenario mehr, sondern jeder Abschnitt bedingt den nächsten. Außerdem verstehen wir die Motivation hinter dem Einkauf: Der Mann will etwas für seine Geliebte tun, um ihr zu gefallen. Ein Ziel, das für die meisten Menschen nachvollziehbar ist. Dieses Ziel gerät im Laufe der Handlung aber in Gefahr, nämlich als er seinen Geldbeutel verliert. Der Zuschauer fühlt nun mit, er kennt die Situation des Mannes, oder kann sie zumindest leicht nachvollziehen: Der Zeitdruck, die Angst vor der Enttäuschung, das Scheitern eines Planes.

Der Beat macht die Musik

Im Wechselbad dieser Gefühle und Spannungen finden wir den Beat. Ein Beat verbirgt sich zum Beispiel dort, wo der Mann bemerkt, dass sein Geldbeutel fehlt. Hier schlägt die Vorfreude auf den Abend plötzlich um in Angst, das geplante Dinner nicht zubereiten zu können und die Frau zu enttäuschen. Egal ob der Mann diese Veränderung mit einer unkontrollierten Barrage von Schimpfwörtern quittiert, nur einen genervten Seufzer von sich, in Tränen ausbricht, oder gleich vor lauter Wut an Ort und Stelle den Laden in Stücke haut: Dort steckt der Beat. Und so setzt sich jede Handlung aus einer Reihe von Beats zusammen. Sie bilden das emotionale Gerüst der Handlung. Der Beat kann sich in Lauten, Worten oder Handlungen ausdrücken. Er liegt immer in der Reaktion einer Figur auf eine sich verändernde Situation:

Bei diesem berühmten Beispiel aus „Star Wars: Episode V“ erfährt Luke von seiner tatsächlichen Abstammung. Der Beat liegt hier darin, dass sich das Verhältnis von Luke zu Vader verändert. Wo für Luke eben noch das Feindbild, der klare Unterschied zwischen Gut und Böse, eindeutig war, muss er sich nun damit abfinden, der Sprössling seines Erzfeindes zu sein. Sein schwarz-weißes Weltbild zerbricht. Diese Wendung in Luke drückt sich zuerst in einer Art Schmerzensschrei aus, das Nicht-wahrhaben-wollen, das Nicht-ertragen, was sich dann auch in eine Handlung übersetzt: Er springt von der Plattform in den vermeintlichen Tod. Wer für die Beats in Star Wars noch ein weiteres Beispiel sehen möchte, der findet hier eine recht unterhaltsame Analyse als Video. Aber auch in unserer hauseigenen „#OfficeWars“-Saga können wir Beats sehen:

Erst scheint Gerd „Skywater“ durch mangelnde Akkulaufzeit besiegt, und er resigniert vor der übermächtigen F-F-Filmexpertin. Doch das Angebot, auf ihre Seite der Macht zu wechseln, bewegt ihn dazu sich zu wehren, obwohl der Kampf bereits verloren ist. Seine innere Haltung wechselt von „bitte lass mich leben“, zu „ich bin hier der Chef!“. In dieser Wendung liegt der Umschwung, der Beat.

Der Beat in der Unternehmenskommunikation

Auch in der Unternehmenskommunikation spielen Beats immer dann eine Rolle, wenn eine Geschichte erzählt werden soll. Viel zu oft stößt man auf Produktionen, die emotional steril und eintönig sind und lediglich vorgeben, eine wirkliche Handlung zu haben. Oft wird davor zurückgeschreckt, negative Emotionen zu benutzen, um zum Beispiel einen dramatischen Umschwung ins Positive passieren zu lassen. Stattdessen bleiben Stimmung und Beat oft gleich, was fade, flach und eintönig wirkt. Eine statische, durch und durch positive oder negative Stimmung hat mit der Lebensrealität des Zuschauers nichts gemein. Er kann keine Empathie mit den Figuren entwickeln. Dass es sich durchaus lohnt, den Zuschauer wie einen Menschen aus Fleisch und Blut zu behandeln, sieht man an diesem Beispiel von EDEKA:

Auch wenn man vielleicht nicht gar so unerbittlich auf die Tränendrüse drücken muss, um einen Beat zu erzeugen, so beweist dieses Video dennoch, wie effektiv der dramatische Umschwung von Gefühlslagen in den Figuren, mit denen wir uns identifizieren, ist. Vergleicht man das mit einem beliebigen Beispiel aus der Werbewelt, wo ein bestens-gelaunter Nachbar dem anderen bestens-gelaunten Nachbar von diesem tollen neuen Produkt erzählt, woraufhin beide noch bestens-gelaunter werden… – GÄHN! Der Moment aber, in dem Opa nun also doch noch lebt, und das unerwartet ausgelassene Miteinander danach, beinhalten echte Dramatik. Auch wenn der Beat die kleinste dramaturgische Einheit beim Geschichten erzählen ist, so ist er deshalb auch gleichzeitig im Kern der Geschichte.

#OfficeWars – Die Schlacht ist (vorerst) geschlagen

Wie auch bei unseren vorherigen Episoden gilt hier: Sobald man im Bewegtbild eine Geschichte erzählen möchte, gilt es, bestimmte Dinge zu beachten und gestalterische sowie inhaltliche Entscheidungen zu treffen. Will man aber nicht den Aufwand betreiben, sich um wirklich jeden einzelnen Aspekt des Videos im Vorfeld stundenlang den Kopf zu zerbrechen, dann muss man auswählen, welche die wichtigen Fragen sind, denen man sich im Vorfeld stellen sollte. Weiß man das nicht, besteht die Gefahr sich in Details zu verrennen, die viel Zeit kosten und im Nachhinein kaum wahrgenommen werden, weil das große Ganze nicht funktioniert. Der Grund dafür ist meistens, dass wichtige Entscheidungen hinsichtlich Form und Inhalt nicht getroffen, also dem Zufall überlassen wurden, wohingegen man wenigen Details sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Mit den Blog-Beiträgen zu unserer #OfficeWars-Saga haben wir nur eine Handvoll dieser wichtigeren und grundlegenderen Fragen und Aspekte des visuellen Geschichtenerzählens behandelt: Das Aufgreifen von Genre-Ideen und Genre-Klischees, der gezielte Einsatz von Bildsprache, und heute das Wesen der Handlung, der Beat. Natürlich werden wir uns auch in Zukunft in diesem Blog mit Unternehmenskommunikation und, von Zeit zu Zeit, auch mit dem Brot und Butter des Erzählens auseinandersetzen. Eine Zusammenfassung der ganzen Aktion erfolgt in 2016.

Unserer Blog-Serie zu #OFFICEwars: 1. OFFICEwars (Teil 1) Worum gehts? (Warum wir diese Aktion gestartet haben) 2. OFFICEwars (Teil 2) Die Macht des Genres 3. OFFICEwars (Teil 3) Die Sprache der Bilder 4. OFFICEwars (Teil 4) Die Macht des Beats

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