bildstabilisierung_unternehmenskommunikation_wackeldackel

Um den Zuschauer mit einem Video so richtig zu überzeugen, müssen seine Erwartungen in Sachen Video-Qualität erfüllt werden. Einen großen Beitrag zum professionellen Look der eigenen Unternehmensvideos leisten insbesondere Systeme zur Kamera-Bildstabilisierung. Wie und wo man diese einsetzen kann, zeigen die folgenden drei Anwendungsfälle.

Klare Bilder – Klare Message

Wer schon einmal versucht hat, frei aus der Hand zu filmen, ob mit Smartphone oder Camcorder, der kennt das: Das Bild ist verwackelt und wirkt unprofessionell, ganz egal wie gut die Kamera ist. Will man sich darüber hinaus beim Filmen auch noch durch den Raum bewegen, sind Hopfen und Malz meist ganz verloren. Jeder Schritt und jede Regung schlägt sich auf das Bild nieder, bis der Zuschauer seekrank ist oder die Orientierung verliert. Das Problem verwackelter Bilder ist nicht zu vernachlässigen, denn der Zuschauer ist in seinen Sehgewohnheiten verwöhnt von butterweichen Kamerafahrten, die einen quasi durch den Raum schweben lassen (jeden Tag tausendfach zu sehen in Film und Fernsehen). Doch wie verleiht man dem eigenen Video diese Qualität, und vor allem: Wozu? Es gibt diverse Situationen, die von einer bewegten Kamera profitieren. Andere wiederum sind ohne gar nicht erst zu bewältigen.

Anwendung 1: Firmen-Rundgang

Sie haben einen schmucken Betrieb oder ein schönes Büro, mit mehr oder weniger ansehnlichen Mitarbeitern, und am Liebsten würden Sie jeden Kunden gleich bei der Hand nehmen und in Ihrem Domizil herumführen. Das ist verständlich, aber natürlich nur schwer umzusetzen, es sei denn, Sie bannen diesen Unternehmensrundgang auf Video. Für die professionell wirkende Umsetzung eines solchen Rundgangs ist ein Kamera-Stabilisierungssystem unerlässlich, soll es am Ende nicht wie ein Homevideo aus den Untiefen von YouTube aussehen.

Hier zwei Beispiele aus unserem Archiv:

mursall-gif

Dies ist ein Ausschnitt aus einer ganzen Recruiting-Video-Reihe für unseren Kunden Mursall.de aus Augsburg. Innerhalb von 2 Wochen konnten so alle Stellen vergeben werden – Etwas, was vorher lange Zeit lang nicht gelang. Es war eine nette Art, Räume und Kollegen vorab kennenzulernen. In dem Video kommen auch die YouTube-Infokarten aus unserem HowTo: YouTube-Infokarten in 3 Schritten zum Einsatz.

Bei FAAC Tubular Motors in den Niederlanden wurde das frisch errichtete Bürogebäude mit einer Feier eingeweiht. Für alle, die daran nicht teilnehmen konnten, haben wir im Rahmen eines Videos diesen Firmenrundgang mit dem Chef produziert.

FAAC Rundgang GIF

Übrigens: Wie man aus Videosequenzen animierte GIFs erzeugt, wie man sie hier sieht, das kann man in unserem Blog-Beitrag HowTo in 4 Schritten: Video zu GIF nachlesen.

Anwendung 2: Interview/Dialog

Das klassische Interview besteht aus einer, manchmal zwei, eher selten drei statischen Kameraeinstellungen. Das ist zweckmäßig und wirkt sehr aufgeräumt, für längere oder zumindest schönere Interviews bietet sich aber auch hier der Einsatz von Bildstabilisierung an. So kann man den Dialog zwischen Fragendem und Antwortenden wesentlich dynamischer und dramatischer abbilden, wenn sich die Kamera bewegt. Wir schauen dem zuhörenden Teilnehmer stets über die Schulter, und seinem sprechenden Gegenüber ins Gesicht. Wechseln die rollen, so wechselt auch die Perspektive. In einem Halbkreis bewegen wir uns hinter die Schulter des Einen, um in das Gesicht des Anderen, nun Sprechenden zu blicken. Die Kamerabewegung unterstützt also visuell das Zwiegespräch und setzt es interessant in Szene. Während der Fahrt von der Einen zur Anderen Person sehen wir zusätzlich beide im Profil, sich gegenüberstehend: Ein weiteres Bild, das den Dialog visualisiert. Denn wie bei allen visuellen Medien gilt immer: Show, don’t tell!

Hier ein Beispiel, das dieser Anwendung sehr nahe kommt:

Gimbal Blogbeitrag Dialog-GIF

Anwendung 3: Imagefilm (Film-Szenen)

Gerade bei einem dem Spielfilm ähnlichen Narrativ erwartet der Zuschauer einen cinematischen Look, und auch dafür eigenen sich Kamerastabilisatoren perfekt! Es ergeben sich alle gestalterischen Freiheiten aus der Tatsache, dass die Kamera von einem Stativ oder einer Unterlage befreit ist und der Zuschauer „mitten im Geschehen“ sein kann. Das Begleiten oder Verfolgen sich bewegender Personen verleiht somit den Szenen eine besondere Dynamik. Ein Dialog oder Monolog im Gehen wirkt gleich ganz anders, als eine starr stehende Person die etwas aufsagt. Die Bewegung durch den dreidimensionalen Raum ist für den Zuschauer eine ganz natürliche und alltägliche Erfahrung, die so aufgegriffen werden kann. Auch das Filmen in oder aus fahrenden Autos ist ohne die Stabilisierung der Kamera undenkbar.

Diese 6-minütigen-Szene aus der US-Krimi-Serie True Detective wurde mit einer Steadycam an einem Stück gedreht. Auch unsere beiden Beispiele des „Firmenrundgangs“ hatten wir so gefilmt.

Techniken zur Bildstabilisierung: Steadycam, Gimbal und Software

Aktuell gibt es zur Kamera-Stabilisierung zwei konkurrierende Systeme: Die Steadycam und den Gimbal. Beide Systeme dienen dazu, alle ungewollten Bewegungen des Kameramanns unsichtbar zu machen – beide Systeme haben ihre Stärken und Schwächen, je nachdem, wofür man sie benutzen will. Grundsätzlich ist die Technik aber nur so gut, wie der, der sie bedient. Das meint auch Garrett Brown, der Erfinder der Steadycam, der laut eigenen Angaben noch heute damit beschäftigt ist, seine eigene Erfindung zu meistern.

Eine weitere Spielart der Bildstabilisierung funktioniert durch spezielle Software, die verwackeltes Bildmaterial wieder „hinbiegt“. Dabei wird das Bild entsprechend der ungewollten Bewegungen verzerrt, um Erschütterungen oder sonstige Wackler auszugleichen. Das funktioniert manchmal, aber nicht immer. Oft hat die Software Probleme damit, gewollte von ungewollten Bewegungen zu unterscheiden, was teils bizarr verzerrte Ergebnisse liefert. Zusätzlich leidet die Bildqualität durch eine nachträgliche Stabilisierung, die entsprechende Software ist zudem teuer und nur in Verbindung mit professioneller Schnitt-Software erhältlich.

Die Steadycam (Mechanische Bildstabilisierung)

Die Steadycam kommt in Filmproduktionen schon seit über 30 Jahren zum Einsatz und basiert auf einem einfachen Prinzip: Trägheit. Die Kamera sitzt auf einem Stativ, das mit Gewichten so ausbalanciert ist, dass der Schwerpunkt genau dort ist, wo der Kameramann sie trägt. Das hat den Effekt, dass er die Kamera mühelos umher wuchten kann und sie immer wieder in ihre aufrechte Position zurückschwingt. Diese Konstruktion ist mit einem gefederten Arm an einer Weste, die der Kameramann trägt, befestigt. Das Eigengewicht des Stativs in Verbindung mit dem Federarm führt dazu, dass das Auf und Ab beim Gehen mit der Kamera von dem Federarm abgedämpft wird und die Kamera scheinbar schwebt. Diese überaus geschickte Konstruktion funktioniert ganz ohne Strom und ist sehr robust.

Der Gimbal (Elektronische Bildstabilierung)

Gimbal-Gif

Der Gimbal ist kleiner und leichter als die Steadycam, und basiert auf einer computergestützten Lösung zur Kamerastabilisierung. Die Kamera wird an einer Aufhängung befestigt, die sich um alle Achsen bewegen lässt. An jeder Achse sitzen hochsensible Sensoren und reaktionsschnelle Elektromotoren, die dafür sorgen, dass die Kamera stets ausgerichtet und stabil bleibt. Der Kameramann trägt diese Konstruktion vor sich her, dank des vielseitigen Designs kann er sie aber auch wie einen Koffer neben sich her tragen, oder gleich komplett umdrehen und über Kopf benutzen. Ein mächtiger Algorithmus unterscheidet dabei zuverlässig zwischen gewollten und ungewollten Bewegungen. Im Gegensatz zur Steadycam ist der Gimbal schnell einsatzbereit und kann sich automatisch ausbalancieren, was ansonsten recht zeitintensiv ausfällt. Wie vielseitig dieses Gerät ist, wird in diesem Video sehr anschaulich.

Ausblick: Der Bildstabilisator der Zukunft (?)

Mit Hilfe von sogenannten Metadaten wird die Bildstabilisierung im Videobereich zukünftig noch unkomplizierter werden. Mit Projekten wie SteadXP wird man in Zukunft einfach einen kleinen Kasten voller Elektronik an die Kamera heften, der all ihre Bewegungen aufzeichnet. Mit den gesammelten Daten lassen sich nachträglich die verwackelten Bilder wieder stabilisieren. Aber auch ganz ohne Daten aus der „echten Welt“ geht es: Apps für das Smartphone, wie etwa Microsofts „Hyperlapse Mobile“, machen es möglich. Man nimmt eine Reihe von Bildern auf, woraufhin die App daraus eine stabile Fahrt, einen Hyperlapse, generiert. Was das ist, kann man in unserem Blogbeitrag zum Thema Hyperlapse und Timelapse nachlesen.

Ein smarter Algorithmus analysiert die Einzelbilder und verändert sie so, dass sie nahtlos aneinander passen. Das funktioniert recht Solide, ist aber nicht zuverlässig und variabel genug für einen professionellen Einsatz.