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Jeder versteht die Sprache des Films, denn sie ist (bis auf die Unterschiede in unterschiedlichen Kulturkreisen) universal verständlich. Schauen wir einen Krimi, wissen wir in der Regel relativ schnell, wer der „Bösewicht“ ist, und wer der „Gute“. Dieses Wissen wird uns allerdings nicht durch verbale, musikalische oder typografische Mittel eingeflößt.

Unserer Blog-Serie zu #OFFICEwars: 1. OFFICEwars (Teil 1) Worum gehts? (Warum wir diese Aktion gestartet haben) 2. OFFICEwars (Teil 2) Die Macht des Genres 3. OFFICEwars (Teil 3) Die Sprache der Bilder (Dieser Teil) 4. OFFICEwars (Teil 4) Bald… 5. OFFICEwars (Teil 5) Bald! 😉 

Die Sprache des Films verstehen wir intuitiv

„Achtung! Nun folgt der Auftritt des Bösewichts!“ – Solche Moderationen sind nicht nötig, wenn der Regisseur oder der Kameramann sich darauf verstehen, Elemente der Bildgestaltung so einzusetzen, dass sie im Betrachter unbewusst Botschaften oder Interpretationen entstehen lassen. So wissen wir zum Beispiel, dass es sich um den Bösewicht handelt, wenn wir eine schwarz gekleidete Gestalt in einer nebligen Gasse sehen. Ein weiß gekleidetes Mädchen mit zwei geflochtenen Zöpfen wiederum werden wir eher als etwas Gutes oder Unschuldiges interpretieren. Beginnt dieses Mädchen dann allerdings, mit einem festen Blick in die Kamera an ihren Zöpfen herumzuspielen, ist der gedankliche Schritt zur Lolita nicht mehr weit. Wir sehen also, dass Elemente der Bildgestaltung ganz subtil und mit einfachen Mitteln Botschaften senden, die für das Verständnis eines Films elementar sind. Die Kunst ist also nicht, die Sprache des Films zu verstehen, sondern die Sprache des Films zu sprechen.

Star Wars Episode IV: Die Bildsprache des Openers

Episode IV beginnt, nach dem charakteristischen perspektivischen Lauftext, mit der Verfolgungsjagd des Rebellenschiffes und des Sternenzerstörers vor dem galaktischen Hintergrund der zwei Monde und dem Anschnitt des riesigen Planeten im unteren Bildrand.

Wie erkennen wir Gut und Böse?

Intuitiv wissen wir sofort, dass der Sternenzerstörer das Böse verkörpert, und wir vermuten auch, dass im Folgenden eine Schlacht zwischen diesen beiden Fronten folgen wird. Aber warum wissen wir das, ohne jegliche Einführung? Dafür ist die Bildsprache im Opener verantwortlich. Da wir das kleine Raumschiff zuerst sehen, liegt unsere Aufmerksamkeit auch bei diesem Schiff, wir verbinden uns mit diesem Objekt. Denn zuvor haben wir uns in der unendlichen Leere des Universums wiedergefunden. Diese Atmosphäre ist uns fremder als alles andere. Im Raumschiff wiederum vermuten wir Individuen, lebende Individuen, mit denen wir uns mehr verbunden fühlen als mit der Leere des Alls.

Noch bevor der große Sternenzerstörer ins Bild fliegt, nehmen wir Laserstrahlen wahr. Die Verbindung von Science Fiction und Laserstrahlen als Kampfelement ist uns nicht fremd, wir kennen sie bereits aus anderen Filmen und Büchern. Deshalb haben wir auch sofort die Assoziation eines Kampfes oder einer Schlacht im Kopf – wenn auch nur unterbewusst.

Es folgt der Auftritt des Sternenzerstörers, der im Vergleich zum kleinen Raumschiff überdimensional groß und schon fast erschlagend auf uns wirkt. Hinzu kommt die Perspektive, die wir als Zuschauer einnehmen: Wir befinden uns unter dem Sternenzerstörer, er erdrückt uns nahezu. All das wirkt bedrohlich und steigert unsere Identifikation mit dem kleinen Raumschiff, das nun offensichtlich eine Opferrolle einnimmt.

Ein weiteres Bild, das diesen Eindruck noch steigert, ist der Moment in dem das Rebellenschiff an den Sternenzerstörer angedockt wird. Die große Öffnung im Sternenzerstörer erinnert an einen riesigen, geöffneten Schlund, der bereit ist, das kleine Raumschiff zu verschlingen. Eine absolut richtige Interpretation, verfolgen wir das Geschehen des Films weiter.

Die Farbgestaltung im Opener

Eine weitere elementare Szene ist die, als Darth Vader durch die ausgebombte Tür des Rebellenschiffes den Innenraum betritt. Zuvor war alles in hellen Farben gehalten: Glänzende Roboter und Droiden, weiße Stormtrooper, hell glänzende Wände und weißer Rauch. Durch eben diesen Rauch kommt nun der in schwarz gekleidete Darth Vader ins Bild – ein farblicher Kontrast, der uns sofort vermittelt: Darth Vader ist böse.

Bewegungen im Bild haben eine Aussage.

Desweiteren stehen, sobald Darth Vader den Raum betritt, alle anderen Protagonisten still: Die Stormtrooper stehen militärisch „stramm“ und die Protagonisten der Gegenseite liegen besiegt auf dem Boden zu Darth Vaders Füßen. Ein sehr starkes Bild, das ganz ohne Worte gleich mehrere Aussagen tätigt. Wir wissen sofort, dass Darth Vader der „Boss“ der Stormtrooper ist. Außerdem wird uns durch die am Boden liegenden Protagonisten die vermeintliche Überlegenheit des Bösen demonstriert.

Die Kameraperspektive

Diese Szene ist in einer leichten Untersicht gefilmt. Das Bedeutet, dass die Kamera nicht auf Augenhöhe ist, sondern von einem niedriger gelegenen Standort aus filmt. Dies lässt Darth Vader, der ohnehin größer als anderen im Bild ist, noch größer und bedrohlicher erscheinen.

Stereotypische Bilder

Darth Vader betritt durch den Rauch das Raumschiff. Rauch und Qualm werden oft mit negativen Interpretationen verbunden. Die Hölle und der Teufel werden mit Rauch assoziiert, aber auch generell übersinnliche Vorgänge oder Objekte. All diese Elemente verstärken unseren Eindruck, Darth Vader als Böse zu betrachten, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wurde.

Grundelemente der Bildgestaltung

Viele Elemente tragen dazu bei, einem Bild eine bestimmte Aussage zu geben. Dabei beziehen sich einige auf die Kameraeinstellungen, andere auf Personen und Objekte im Bild. Wir unterscheiden zwischen Bildinhalt und Bildgestaltung.

Der Bildinhalt drückt aus, was im Bild zu sehen. Durch die Gestaltung dieser Elemente können gravierende Unterschiede in der Interpretation entstehen:

  • Ausstattung (Requisiten, Dekoration, Kostüm, Maske)
  • Erscheinung und Darstellung der Figuren
  • Anordnung der Figuren im Raum (zueinander)
  • Schauspielerführung
  • Farbkomposition und Lichtgestaltung
  • Umgang mit Raum und Tiefe

Die Bildgestaltung bedient sich der Elemente, die ausdrücken, wie das Bild gemacht ist:

  • Einstellungsgrößen (Wie groß ist der Ausschnitt meines Bildes?)
  • Kameraperspektiven (Untersicht, Aufsicht, Egoperspektive)
  • Kamerabewegungen (Schwenk, Fahrt, Kranfahrt, Flug)

Bewerbungsgespräch Todesstern – unsere Interpretation der Star-Wars Bildsprache

In unserer OFFICEwars-Version stellen wir ein Bewerbungsgespräch für den Todesstern nach. Und natürlich bewirbt sich ein Stormtrooper (Thomas) für den freien Posten. Unser Un-art-Director Mike übernimmt die Rolle des Darth Vader, der die Boshaftigkeit in Person ist. Thomas’ Rolle, also die des Stormtroopers, wird direkt in der ersten Einstellung deutlich. Er wird von der Sekretärin hereingeführt, dabei ist er auf Grund seiner körperlichen Konditionierung (oder liegt es vielleicht einfach am Helm?) nicht in der Lage, selbst den Weg hinein zu finden. Er ist hilflos und absolut angreifbar. In der nächsten Einstellung wird Darth Vader eingeführt, und zwar mit einem dynamischen Sprung ins Bild: Hier wird einmal der Kontrast zu der Einführung des Stormtroopers deutlich (hilflos versus bestimmend), aber auch die Farbgestaltung (schwarze Schuhe, schwarze Hose) lassen bereits Raum für Interpretationen. Der darauf folgende Schwenk nach oben, der auf dem Helm von Darth Vader endet, lässt nun keine Interpretationsspielräume mehr offen. Wir befinden uns in einer absoluten Untersicht, dadurch wirkt unser „böser Protagonist“ noch bedrohlicher.

Zwei Bilder aus dem Video sollten noch mit Aufmerksamkeit bedacht werden: Die Szene, in der Dark Vader nach vorne gelehnt am Tisch steht, und der Stormtrooper, seinerseits von Dark Vader weg gelehnt, auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Dark Vader ist wesentlich größer als der Stormtrooper, seine nach vorne gelehnte Haltung symbolisiert Kampfbereitschaft und Aktionspotenziel. Der Stormtrooper, der wesentlich kleiner als unser Bösewicht dargestellt wird, begibt sich in eine Art Fluchthaltung, die Angst und Unterwürfigkeit symbolisiert. Zusätzlich verstärkt wird diese Hilflosigkeit durch die Tatsache, dass er an den unteren Bildrand gerückt wurde und dadurch noch kleiner und verlorener wirkt.

Schlussendlich fällt der Stormtrooper besiegt zu Boden, direkt zu Füßen unseres Schurken. Dieses Bild steht mehr als andere für die Unterlegenheit des Stormtroopers. Das stereotypische Bild (jemandem zu Füßen liegen), steht in fast jeder Kultur für Unterwürfigkeit und bedarf keiner Erklärungen.

Bildsprache in der Unternehmenskommunikation

All diese Elemente, die die Aussage eines Bildes maßgeblich beeinflussen, lassen sich natürlich auch in der Unternehmenskommunikation sehr gut anwenden, ob im Foto oder im Video! Ist man in der Lage, diese Elemente zu verstehen und anzuwenden, können Bilder entstehen, die auf den ersten Blick aussagekräftig sind, ohne einen begleitenden Text lesen zu müssen. „Unser Firmenchef muss menschlicher wirken“, könnte ein Auftrag lauten. Anstatt diesen Firmenchef dann in der typischen Büroatmosphäre zu filmen (oder zu fotografieren), mit einem großen Bücherregal im Hintergrund und dem Farbspektrum Grau-Weiß, sollte man ihn vielleicht mitten in das Großraumbüro seiner Mitarbeiter setzen, das weiße Hemd gegen ein dezent farbiges ersetzen, und ihn natürlich in GAR KEINEM FALL von unten filmen – zum einen ist es überaus unattraktiv, direkten Einblick in seine Nasenlöcher zu erhalten, zum Anderen haben wir ja jetzt gelernt, dass eine Untersicht schnell bedrohlich wirken kann. Aber Achtung! Filme ich in der Aufsicht (von oben), kann es passieren, dass er unautoritär und kindlich wirkt.

Im Bereich Social-Media-Video kann eine gut eingesetzt Bildsprache sogar noch mehr Vorteile bringen. Auf Plattformen wie Instagram und Facebook starten die Videos im Autoplay ohne Ton. Habe ich meine Bildsprache nun sehr bewusst eingesetzt, kann ein Großteil des Videos auch ganz ohne Ton verstanden werden (ausgenommen Interviews natürlich!).

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