Seite auswählen

Provokante These, das mit dem „Scheitern“: Sich über Arbeiten aus der eigenen, jungen Branche der 360-Grad-Filmemacher und VR-Storyteller Gedanken zu machen – muss aber zur Feier des Tages einfach sein.

TL;DR

  1. Es liegt an der Wiedergabetechnik
  2. Es liegt an den Videokonzepten
  3. Es liegt an der Google-Studie zum Thema Heatmap
  4. Es gibt mehr als einen Plan B 😉

Seit circa 7 Jahren, so alt wird meine Firma heute, erzähle ich hin und wieder einen Schwank meiner Firmengeschichte…

Krimi auf dem Land als interaktives 360-Grad-Video

Ich war damals als Kreativberater zu einem Workshop in einem Verlagshaus gebucht. Wir wollten im Nachgang zur Frankfurter Buchmesse 2011 einen Tag lang über neue Formen des Erzählens sprechen. Neue Ideen jenseits des Buchs und eBooks. Hört sich spanned an, war es auch!

Ich brachte die Idee eines 360-Grad-Videos ins Spiel. Hatte dazu eine technische Lösung via Flashplayer gesehen: Der Zuschauer konnte sich bei einer Ballonfahrt SELBST umschauen. In meiner Idee ging um es einen Mordfall in einer ländlichen Region. Eine Art „Tatort-360“-Sonderfolge.

Der alte Kommissar wird den ersten Tag von einem neuen Kollegen begleitet. Dieser neue Kollege soll der „Zuschauer“ sein. Wer nun an… „Harry hol schon mal den Wagen“ denkt, hat das passende Bild vor Augen. Die Kamerasicht wird also die Perspektive des Zuschauers. Mittels Blicksteuerung sollte der „Zuschauer“ in die Handlung eingreifen und es werden verschiedene Abläufe der Geschichte erzählt.

Im Workshop erzählte ich direkt aus dem Bauch heraus Dinge, die ich erst 3-4Jahre später von Leuten beim Google-VR-Team in großen Vorträgen hörte. Hört sich komisch an, war aber wirklich so. Meine Idee: Eine „interaktives 360-Grad-Video“.

Inzwischen haben wir als K3 genau solche interaktiven 360-Grad-Videos für Evonik produziert. Ohne Mordfall. 😉

Klang damals noch die Science Fiction. Aber DAS war damals meine Vision, auf die ich mein Unternehmen dann ausrichten wollte. Weg von der bisherigen Idee des Social Media Sponsorings, mit der ich meine ersten erfolgreichen Projekte als Berater umgesetzt hatte. Heute würde man eher von Content Marketing sprechen. Den Begriff gab es -in meiner Wahrnehmung- damals noch nicht.

Mein Unternehmen wächst ODER Finde die richtigen Mitarbeiter…

Als ich dann vor 4 Jahren soweit war erste Mitarbeiter nicht nur als projektbezogene Freelancer, sondern als Vollzeitmitarbeiter einzubinden, wollte ich auf jeden Fall sofort einen Kameramann im Team haben.

Ich fand viele Leute vom Fernsehen, mit einem klassischen Verständnis von Filmen, aber auch einen Videographen aus Bochum, der einige Jahre in einem Schauspielhaus als Regieassistenz gearbeitet hat. Ich entschied mich genau für diesen Kameramann, Jaime Mourato da Graça – inzwischen unser „Leiter Kameratechnik“.

Exkurs: Es gibt nicht die BESTE Kamera für jedes Video, sondern immer nur die RICHTIGE Kamera für einen speziellen Dreh.

Daher haben wir von kleinen 360-Grad-Kameras aus dem Consumer-Bereich für winzige kleine Ecken und Winkel, über mittelgroße Ready-to-Use Kameras bis aufwändigen Sonderkonstruktionen alles im Haus und im Einsatz.

Die komplexe Aufnahmetechnik von 360-Grad-Videos versucht die Kameraindustrie in Consumer-Geräte zu packen, teils mit Erfolg. Bei Interesse empfehle ich sich z.B. mit dem Thema Stitching zu beschäftigen.

Ich hatte mich gerade für Jaime entschieden, weil er mit meinem Verständnis der Szenerie um der Kamera herum als eine Runde Bühne in alle Himmelsrichtungen auf Anhieb klar kam. Es gibt eben keinen Bereich hinter der Kamera bei einem 360-Grad-Kamera-System. Es wird gleichzeitig in alle Blickrichtungen gefilmt. Das ist aber nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vor allen Dingen eine erzählerische Aufgabenstellung.

Was mich nun zu der Studie von YouTube im Google-Blog führt. Und zu dem Thema „Scheitern“ – und warum wir uns bei der K3 zu jedem Video so viele Gedanken um die Situation des Zuschauers machen.

Ein paar Fakten aus der 360-Grad-Video-Heatmap-Studie

Focus on what’s in front of you: The defining feature of a 360-degree video is that it allows you to freely look around in any direction, but surprisingly, people spent 75% of their time within the front 90 degrees of a video. So don’t forget to spend significant time on what’s in front of the viewer.

Ausschnitt aus dem Screenshot im Google-Beitrag Hot and Cold: Heatmaps in VR: Zu sehen ist im roten Bereich die Hauptblickrichtung der Zuschauer

Get their attention: While a lot of time is spent focusing on what’s in front, for many of the most popular VR videos, people viewed more of the full 360-degree space with almost 20% of views actually being behind them. The more engaging the full scene is, the more likely viewers will want to explore the full 360-degree view. Try using markers and animations to draw attention to different parts of the scene.

Keep different experiences in mind: The context in which people are viewing VR videos matters too. Some might be watching on a mobile and portable Cardboard, while others are watching on a desktop computer. For instance, we found viewers usually need a couple seconds to get situated in Cardboard, which isn’t needed for other devices. So make sure to give your viewers a few seconds before jumping into the action.

Quelle: Google-Blog / Deutscher Überblicksartikel zur Studie bei VRODO.de.

Ich habe gerade zum ersten Absatz eine etwas andere Meinung. Hat mit dem Henne-Ei-Problem und der User Experience zu tun. Aber der Reihe nach…

1. Es liegt an der Wiedergabetechnik aka. „User Experience“

Mit der „Situation des Zuschauers“ (Google: „Keep different experiences in mind“) meine ich die Rahmenbedingungen unter denen er sich das Video anschaut. Bei einer Website-Konzeption würde der Begriff „User Experience“ fallen. Ich verwende den Begriff auch gern für die Betrachtung von 360-Grad-Videos. Daher habe ich ja den Ratgeber „Wie schaut man sich am besten ein 360-Grad-Video an“ auf Medium gestartet.

Ein paar Fragestellungen zur User-Experience (UX)

  1. Schaut er mit einem Mac / PC / Notebook?
  2. Schaut er mit einer VR-Brille?
  3. Schaut er mit einem Smartphone?
  4. Steht oder sitzt der Zuschauer?
  5. Hat er Kopfhörer auf?

Wenn ich mit solchen Fragen an einen potentielle Auftraggeber für eine 360-Grad-Videoproduktion herantrete sind viele Kunden zunächst verunsichert. „Sowas fragte unser bisheriger Dienstleister für Imagevideos nicht!“ Ich erkläre dann in aller Ruhe die Auswirkungen der Antworten…

Schaut er mit einem Mac, PC, Notebook oder Smart-TV?

Viel zu viele 360-Videos werden noch mit einem klassischen Rechner angeschaut. Was zwar generell geht, wegen der total unglücklichen Steuerung des Bildausschnitts aber keine Lösung ist.

Stellen Sie sich vor, in dem Video würde sich ein Basketballspieler schnell um Sie als Zuschauer herumbewegen. Sie wären nun ein Elefant, der sich viel zu langsam um die eigene Achse dreht. Sie würden einfach viel zu viele spannende Stellen in dem Basketball-Video verpassen. Die Steuerung eines 360-Grad-Videos am PC oder Smart-TV mit einer Cursor-Tastatur oder Smart-TV-Fernsteuerung erlauben keinen richtigen Videogenuß.

Die Steuerung mit der Maus am Rechner ist vielleicht noch gerade so machbar, aber schnell werden die Zuschauer den Spaß an dieser Art der Videobetrachung wieder verlieren.

Schaut er mit einer VR-Brille?

Dann hat er vermutlich ein Kabel am VR-Display, was seine Bewegungsfreiheit um die eigene Achse einschränkt. Es gibt bisher kaum Lösungen das (Video-)Bildsignal vom Rechner auf das VR-Display via Funk zu übertragen. Würden sie sich mit einer 3-Meter-HDMI-Kabelpeitsche ruckartig oder wenigstens ungestört umdrehen wollen oder können? Vermutlich nicht!

Generell war bei unserem Kundenprojekten für Evonik auf dem ECS-Messestand ein Evonik-Mitarbeiter an der VR-Video-Station um den Zuschauer durch das Video zu führen. In Verkaufssituationen einen potentiellen Kunden allein in einem VR-Setting zu „parken“ -und vielleicht zu verlieren- ist keine gute Option!

Fakt:  Eine VR-Brille im Sinne der Immersion die beste Lösung: Der Zuschauer wird von allen sonstigen optischen Eindrücken durch die Brille abgeschirmt, kann also leichter in die Welt, die Geschichte des Videos eintauchen.

Schaut er mit einem Smartphone?

Dann hat er schonmal kein störendes Kabel wie bei der VR-Brille. Außerdem ist zur Zeit die Verbreitung der Smartphones in (fast) jeder Zielgruppe um ein vielfaches höher als bei einer VR-Brille. YouTube und Facebook erlauben es mit ihren Apps 360-Grad-Videos anzuschauen.

Oft ist daher das Smartphone die bessere Wahl für die 360-Grad-Videos, ODER eine Smartphone-Halterung im Stil einer VR-Brille, wie  im Tweet zu sehen.

Sitzt oder steht der Zuschauer?

Wenn Sie gerade sich auf dem Sofa gemütlich zurücklehnen… können sie sich nicht einfach den Bildausschnitt „hinter“ Ihnen anschauen. Denken Sie nochmals an den Elefanten und den Basketballspieler. Sie müssen sich wieder vorlehnen und sich dann umschauen. Das ist unbequem und stört. Besser ist es zu stehen und ein ein, zwei Meter Freiraum in alle Richtungen zu haben.

Vorsicht: Wenn sich die Perspektive im Video bewegt obwohl ihnen ihr Gleichgewichtsinn sagt sie stehen auf der Stelle, könnte Ihnen schwindelig werden. Noch besser ist es daher, auf einem Barhocker zu sitzen: Freies Drehen ist in alle Richtungen möglich und wenn Ihnen im Video schwindelig wird, sitzen Sie auf einem bequemen Hocker. Die sogenannte VR-Sickness (VR-Schwindelgefühl) kann auch bei 360-Grad-Videos auftreten, wenn sich die Kameraposition im Video bewegt. Wir empfehlen bei der K3 für Kundenpräsentationen, z.B. auf Messeständen, gleich einen Barhocker.

Natürlich könnte man auf solche Kamerafahrten verzichten, aber es zeigte sich im jeden Fall, das der Eindruck, der WoW-Effekt des Videos exorbitant steigern lässt durch solche Kamerafahrten. Ein beeindruckter Video-Zuschauer wird vermutlich eher bei Ihnen ein Produkt kaufen, als wenn das Video weniger spannend ist…

Hat er Kopfhörer auf?

Oder kommt der Sound aus Boxen? Auch das macht einen großen Unterschied. Sie kennen sicher den Unterschied zwischen einem guten, alten Monoradio und einer Highend-Surround-Musikanlage?

Nochmals so einen großen Schritt nach vorn macht das Videoerlebnis, wenn das 360-Video mit Ambisoinics-Sound,  einer spezielle Audioaufbereitung für 360-Videos und VR-Content aufgezeichnet wurde. Das folgende Video lohnt sich mit passender Audiowiedergabetechnik anzuschauen und -hören:

Mehr zu dem Thema „Spatial Audio“ / Ambisonic in Thomas Schupps Gastbeitrag bei Zielbar.de: 360-Grad-Audio im Aufwind: So entfalten 360-Grad-Videos ihre volle Wirkung. Thomas beschäftigt sich bei der K3 nicht nur mit Video-, sondern auch mit Audiotechnik.

Für VR-Brillen gibt es passende Kopfhörerlösungen. Damit lässt sich die beste Audio- und Video-Immersion erleben. Aber es gibt auch einen günstigeren Plan B.

Das beste VR-Videoerlebnis für den mittleren Geldbeutel

Und diesen Sound kann man schon mit der Facebook- und YouTube-App auf dem Smartphone erleben, sofern das 360-Video mit der passenden Soundinformation aufbereitet ist. Mittels einer besseren Google-Cardboard-Lösung (Kunststoffbrillen wie z.B. Zeiss VR ONE Plus) und InEar-Kopfhörern kann man zum einen eine sehr guten Eindruck vom Video bekommen und durch „3D-Sound“ durch die Kopfhörer erleben.

Achtung: Sehr günstige Smartphones (Z.B. einige Windows- und Android-Modelle) haben keine Gyroskop-Sensor verbaut, diese Smartphones können nicht verwendet werden.

2. Es liegt an der Videokonzepten

Und damit sind WIR Videomacher gemeint. Oder die sonstigen Rahmenbedingungen ODER der Mut unserer Auftraggeber. Ich hatte schon in einigen Vorträgen Videobeispiele gezeigt, in denen zwar große Kameratechnik und eine große Filmcrew für ein aufwändiges 360-Grad-Video zum Einsatz kam, aber die eigentliche Story des Videos hätte man auch genauso gut als klassisches (Flat-) Video aufbereiten können. Leider sind solche Videos eher die Regel als die Ausnahme.

Wer mehr zum Thema 360-Videotechnik lesen möchte sollte sich diesen Beitrag auf Medium durchlesen: Creating a 360 Stereo Video — Lessons Learned

Schade finde ich es, das Google in seinem Blog-Beitrag gerade dieses Video als *Problem-Video“ zeigt:

Was mich daran stört???

Dieses Video ist ein „Zweitverwertung“ einer VR-Lösung: Ich rate jedem Interessierten sich diese Story -und einige weitere Beispiele- mit Google Spotlight Stories anzuschauen. (Apple App-Store / Google Play Store) Wenn also eine Zweitverwertung als Video Grundlage / Beispiel einer Studienpräsentation ist, entsteht für mich ein verzerrtes Bild. Schade!

Generell stimmt aber, das diese Story nicht den 360-Grad-Raum komplett bespielt. Wenn man sich die Story mit der Smartphone-App „Google Spotlight Stories“ anschaut und sich frei umschauen kann, dann würde die Heatmap sicher eine andere Heatmap sein können, als wenn die Zuschauer eine kabelgebundene VR-Brille nutzen.

„Können“ ist dabei das Schlüsselwort. War es überhaupt Teil des Konzepts alle Richtungen um den Zuschauer herum zu bespielen? Es wirkt eher so, als ob mit Absicht nur ein kleiner Teil der 360-Grad-Bühne bespielt worden ist.

Ich empfehle als Gegenentwurf in der Stories-App „Special Delivery“. Ich habe hier die Videofassung eingebunden, empfehle aber die Betrachtung in der Stories-App.

Making-of dazu mit „Aardman Animations“

Vielleicht wird an diesem Beispiel klar, welche Veränderung es bedeutet, wenn sich der Zuschauer für den Genuss der ganzen Geschichte frei umdrehen können sollte. Wenn dann ein Regisseur aus Gründen der Sicherheit eine Aufbereitung auf 270-Grad oder gar 180-Grad beschränkt, dann haben wir zur Zeit ein Henne-Ei-Problem.

Mit „Sicherheit“ meine ich möglichst viele Zuschauer können möglichst ungestört das Video betrachten. Sie kennen den kleinsten gemeinsamen Nenner???

Das Henne-Ei-Problem

Zuschauer gewöhnen sich so nicht daran wirklich die 360-Grad-Bühne zu erkunden und vielleicht einen Teil der Geschichte zu verpassen.

Ich sage immer: Ein gutes 360-Grad-Video hat wie ein gutes Computerspiel einen „Noch-Mal-Faktor“.

Und viele 360-Videoproduzenten trauen sich nicht wirklich die 360-Grad-Bühne zu bespielen. Schade eigentlich. Ändern kann es aber nur der Videoproduzent, wenn er die Sehgewohnheit der Zuschauer ins Konzept einplant.

Exkurs: Beef4Brands

Auf der letzten Beef4Brands in München hielt Patrick Breitenbach von ZDF-Digital einen Vortrag zur ZDF-360-Grad-Videoproduktion. Eine Idee, die Christian Müller von dort mitgebracht hat: In 360-Videos drei parallele Geschichten -eine Haupt- und zwei Nebenhandlungen- zu erzählen, so das der Zuschauer in JEDE Blickrichtung ein Geschichte erleben kann – und ja, er verpasst auch immer einen Teil der Geschichte im ersten Durchschauen.

Das fasst meine Aussagen zur Konzeption und unsere strategische Arbeitsweise bei der Entwicklung von 360-Grad-Videos gut zusammen. Ich sage immer…

Ich sage aber auch…

„Den Zuschauerblick verführen“, wie der Herr die Dame beim Tango Argentino

Damit spiele ich auf das besondere Führungsverhältnis in einem Tanzpaar an. Auf den Punkt bin ich schon im Medium-Artikel 360-Grad-Storytelling: Zuschauer verführen in allen Facetten eingegangen. Falls der geneigte Leser keine einschlägigen Tanzerfahrungen hat reicht es die ersten 15 Sekunden dieses Videos anzuschauen:

Der Zuschauer folgt mit dem Blick und DAMIT der Auswahl des Bildausschnitts der leicht bekleideten Dame. Der Zuschauer KANN aber MUSS nicht in die Richtung der Dame schauen. Er kann auch ungeachtet der Dame in die genau entgegengesetzte Richtung oder zum Himmel schauen. Es liegt am Videokonzept ob in diese Blickrichtung AUCH eine interessante Handlung passiert oder Ereignislosigkeit den Zuschauer wieder in die einzig interessante Blickrichtung zurückkehren lässt. Ich hoffe damit ist das Thema Verführung im 360-Grad-Raum plastisch beschrieben? Gut! 😉

In unserem 360-Grad-Video für die Firma Wavin verwenden wir in den ersten 25 Sekunden ein rotes Modellflugzeug als Blick-Anker = Als Objekt dem der Blick des Zuschauers folgen kann, aber nicht MUSS. Die Luftballons in andere Blickrichtungen sind ebenso wie das Luftschiff alternative Ankerpunkte im Video, bis es zur „Landung“ kommt.

Generell: Ein häufiges Problem bei 360-Grad-Videos: Zu viel oder zu wenig Gründe in andere Richtungen zu schauen. Und wie wird der Blick des Zuschauers in eine andere Richtung verführt?

Es liegt an der Messweise der Google-Studie

Leider geht die Auswertung von Google nicht im Detail auf die Endgeräte ein: Ist diese Heatmap bei allen Endgeräten gleich? Wie unterscheidet sich die Heatmap von Desktop-Nutzern von Smartphone-Videobetrachtern? Spannend wäre auch ein Vergleich eines Videos auf YouTube mit dem gleichen Video auf Facebook.

Facebook erlaubt auch eine Heatmap für 360-Grad-Videos, jedoch erst ab 50.000 Video-Views. Unser Kundenvideo für Cisco hat auf Facebook, auch dank Media-Unterstützung, die relevante Aufrufzahl inzwischen erreicht. Auf YouTube ist diese Schwelle noch ein ganzes Stück entfernt. Dies zeigt, dass nicht nur die Plattform, sondern auch das jeweilige Ad-Ökosystem eine große Rolle in Sachen Reichweite spielt.

Nochmal zu den 4 Punkten

Für den Fall, das es Leser bis hier geschafft haben: Für alle Bereiche gibt es Lösungen:

1. Wiedergabetechnik

Das günstige Set zum Betrachten von 360-Videos mit dem Smartphone hatte ich oben schon vorgestellt. Die nächst aufwändige Lösung (VR-Brille Laptop) stelle ich die Tage in meinem gesonderten Medium-Ratgeber vor. Das sich die Videomacher über die User-Experience (UX) auch noch Gedanken machen müssen ist sicher keine kleine Herausforderung.

2. Erzählweise

Das ist einfach ein Thema für die Filmemacher. Zunächst bei Auftraggebern die Besonderheiten des Mediums Video klarmachen und dann bei der Rundum-Erzählweise berücksichtigen. Oder aber klar zu stellen, das DIESES Video sich mit Absicht / aus Gründen der Sicherheit / Reichweite nur einen Teil des 360-Grad-Raums bespielt.

3. Messmethoden

Keine pauschalen Aussagen über die verschiedenen Nutzungsszenarien PC, VR-Brille und Smartphone hinweg. Allein schon für klassisches Videos gibt es große Unterschiede zwischen Desktop- und Smartphone-Usern. Siehe dazu mein Vortrag beim Facebook-Event „Digital Durchstarten“.

4. Noch ein Plan-B: 180-Grad-Video oder #VR180

Google versucht nun in einer anderen Art und Weise das Problem zu lösen. 360-Grad-Consumer-Kameras erlauben bisher nur sehr beschränkte Bildqualität. Sie reicht -für meinen Anspruch- maximal für einen Foto-Schnappschuss in der Facebook-Timeline oder für Google-Maps.

Mit dieser neuen 180-Grad-Kamera möchte Google einen Weg aufzeigen: Statt Rundumsicht nur das Sichtfeld VORN erfassen, dafür aber mit 2 Objektiven für ein 3D-Video (Steroskopisches Video).

Vorteil ist auch, das mit diesem Gerät jeder Filmen kann und es wieder einen Bereich hinter der Kamera gibt. Betrachtung solcher 180-Grad-3D-Videos geht dann mit jedem Smartphone. So versucht Google / YouTube mit einer Brückentechnologie die Filmemacher und Zuschauer an echte 360-Grad-Videoerlebnisse (auch „Experiences“ genannt) heranzuführen.

Fazit: Von 360-Grad bis VR-Video ist der Weg noch lang

Es bleibt spannend für uns als 360-Grad-Videomacher. Sicher dauert es noch ein paar Jahre, bis sich der Markt richtig entwickelt hat. Aber laut einer Studie von PwC soll bis 2021 58 % der Umsatzes im Bereich VR Video sein.

Wir bereiten gerade einen neue aufwändigen 360-Grad-Dreh mit Ambisonic-Sound vor. Und ja, wir hatten schon im Rahmen der Angebotsstellung über die User-Experience gesprochen. 😉

Ach ja: Happy Birthday <3 (Interne K3-Schreibweise)

Viele Grüße aus Essen,

Gerhard Schröder

PS: Wer mag, kann mit mir über das Thema 360-Grad-Videos im Unternehmenseinsatz auch gern auf der VR-& AR-Messe digility in Köln sprechen. Wir haben dort einen Messestand im Boulevard Nord > Standnummer A-23.